Frühjahr/Sommer 2018

Unsere Zeitung Klar & Deutlich bringt in jeder Ausgabe viele interessante Themen: Nachrichten aus Deutschland und dem Ausland, Artikel über Sport, Freizeit, Gesundheit, Wissenschaft, Natur und Unterhaltung. Die Texte sind kurz. Dadurch kann man den Inhalt besser verstehen. Auch das Erlernen der deutschen Sprache geht so ganz einfach.

Leichte Sprache oder Einfache Sprache?

Leichte Sprache oder Einfache Sprache?

Seit Anfang 2018 sind die Bundesbehörden verpflichtet, all ihre Texte auch in Leichter Sprache anzubieten. Auf diese Weise tragen sie dafür Sorge, so die Idee, dass alle Menschen mit Leseschwierigkeiten Behördentexte lesen können.

Ein wichtiges und zukunftsweisendes Gesetz, denn es bedeutet, dass Menschen mit einer Leseschwäche ernst genommen werden. Jeder Bundesbürger hat das Recht auf zugängliche Informationen. Jeder sollte begreifen können, welche Regeln und auch welche Möglichkeiten Behörden handhaben.

Dennoch hat das neue Gesetz einen Haken: Die Bundesbehörden sind per Gesetz angehalten, ihre Texte nur in Leichter Sprache anzubieten. Einfache Sprache wird in dieser neuen Regelung nicht berücksichtigt. Ist das denn so ein gravierender Unterschied, mag man sich fragen? Ja, der Unterschied ist groß und genau darin liegt das Manko des neuen Gesetzes. Leichte Sprache ist eine sehr stark vereinfachte Sprache auf dem niedrigsten Sprachniveau (das sogenannte A1-Niveau). Leichte Sprache wird vor allem von Menschen mit einer geistigen Behinderung genutzt.

Die Gesetzgebung ist ein wichtiger Schritt, das möchten wir betonen, da Menschen mit einer geistigen Behinderung dadurch ernst genommen werden und so an der Gesellschaft teilnehmen können. Doch geistig behinderte Menschen sind bei weitem nicht die größte Gruppe der Menschen mit Leseproblemen. Es gibt noch so viel mehr Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen haben: Menschen mit Dyslexie, Bürger mit sehr geringer Schulbildung, Menschen nach einem Schlaganfall und ältere Leute, denen die normale Schriftsprache zu kompliziert geworden ist. Wir wissen aus Untersuchungen, dass diese Gruppen der Schlechtlesenden auf einem höheren Niveau lesen können als A1. Normale Schriftsprache ist für sie eine zu große Herausforderung – mit Leichter Sprache sind sie jedoch unterfordert. Sie brauchen ein Angebot, das sich auf dem Sprachniveau A2 befindet. Das ist die Einfache Sprache.

Einfache Sprache ist in anderen Ländern als zusätzliche Behördensprache schon lange die Norm. Beispielsweise in Großbritannien und in den skandinavischen Ländern bieten die Behörden bereits seit den siebziger Jahren ihre Texte in Einfacher Sprache an. Diese Länder sind den Entwicklungen in Deutschland damit weit voraus.

Als Verlag, der sich auf Einfache Sprache spezialisiert hat, bekommen wir oft Anfragen, um bei der Vereinfachung von Texten mitzuhelfen. Meistens wird dabei in erster Linie um Leichte Sprache gefragt. Sehr oft merken wir jedoch, dass die Auftraggeber gar nicht genau wissen, was Leichte Sprache überhaupt ist. Bei genauer Nachfrage stellt sich oft heraus, dass eigentlich ein Text in Einfacher Sprache gewünscht ist.
Was ist Einfache Sprache denn genau? Wie kann die schwierige Schriftsprache in Einfache Sprache umgesetzt werden? Welche Regeln gibt es und wie schreibt man in Einfacher Sprache?

Um diese Fragen umfassend zu beantworten und eine wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten, geben wir in den kommenden Wochen ein umfangreiches Buch heraus über das Phänomen Einfache Sprache. 

Es wird diesmal kein Buch in Einfacher Sprache sein, sondern ein Buch über Einfache Sprache. Ein Buch für alle Berufsgruppe, die mit Menschen mit Leseproblemen arbeiten. Ein Buch auch für Behörden, um zu verdeutlichen, was der Unterschied zwischen den beiden Sprachniveaus ist. Ein Buch, in dem auch klar gesagt wird, dass Leichte Sprache nicht immer die richtige Wahl ist – weil sie den diversen Gruppen der Schlechtlesenden nicht gerecht werden kann: Mit Einfacher Sprache kann man ein viel größeres Lesepublikum erreichen und es bietet mehr Möglichkeiten der Kommunikation.

Autor des Buches ist Prof. Dr. Andreas Baumert. Er hat bereits viel über zugängliche Kommunikation geschrieben und veröffentlicht. Gefragt nach der Bedeutung der Einfachen Sprache sagt er: "Einfache Sprache ist möglich. In Ländern mit Englisch als Landessprache setzt sie sich langsam durch. Das ging nicht von heute auf morgen und war viel Arbeit. Jetzt funktioniert es, nutzt der Bevölkerung und hilft der Gesellschaft, Geld zu sparen und Nerven zu schonen. Das wünschen wir uns auch für Deutschland."

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